Jamie Olivers Food Revolution

JOJamie Oliver wurde als junger britischer Koch international durch seine unkonventionellen TV-Koch-Sendungen und -Aktionen bekannt. Sein Spitzname 'naked cook' geht auf seine erste Kochsendung zurück, weil er versucht, mit einfachen Zutaten und wenig Technik schmackhafte Gerichte zu 'zaubern', um Menschen wieder zum Kochen in der eigenen Küche zu motivieren. Oliver engagiert sich seit vielen Jahren in sozialen Projekten, insbesondere seit 2005 auch zum Thema Schulessen in Großbritannien.

Jamie's School Dinners DVDs sind noch immer bestellbar.Durch eine 4teilige Dokumentarsendung 'Jamie’s School Dinners' - die auch in Deutschland auf RTL gezeigt wurde - machte er auf die katastrophale vom Sparzwang und von gesellschaftlicher Gleichgültigkeit geprägte Situation in der Schulverpflegung in England aufmerksam. Er bewirkte über die sich anschließende Kampagne 'Feed Me Better', dass sich die Qualität des Essens an den staatlichen Schulen durch zusätzliches Geld, die Festlegung von Mindestnährstoffen sowie andere Rezepturen und Zutaten verbesserte. Zudem wurde die Verwendung minderwertiger Fleischreste 'Turkey Twizzlers' (Separatorenfleisch, mit Salz- und Zuckerzusatz, in Form gepresst) in der englischen Schulküche verboten.

Wissenschaftlich konnte nachgewiesen werden, dass seit der Verbannung von Junk-Food, Cola etc. die Schülerinnen und Schüler in Klassenarbeiten signifikant besser abschneiden und sich weniger 'zappelig' verhalten.

  • Jamie Oliver hatte es nicht nur mit schwierigem Küchen-Personal und Catering zu tun, sondern auch mit uneinsichtigen Schülern und Eltern. 'In Rotherham etwa traten Eltern in den Broccoli-Boykott, steckten weinenden Kindern die Turkey Twizzlers und Pommes durch den Schulzaun und echauffierten sich vor Fernsehkameras', s. J. Oliver, der Revoluzzer der Schulkantine, derwesten 2011
    Logo_JO_FoodRevolutionJ. Olivers 'Kampagne für Schul-Verpflegung war gegen den angeblichen Zeitgeist. In Zeiten, in denen der frei wählende Kunde König war, schwamm er gegen den Strom.' Oliver nahm den Kampf gegen Gewinnsucht, politische Trägheit und uneinsichtige Familien in Groß-Britannien auf und gewann ihn - letztlich durch seine (manchmal wohl auch nervige) Beharrlichkeit und die Macht seiner eindrucksvollen Fernsehaktionen. (Erfolg nach Rezept, 2011)
  • Jamie Olivers Wunsch: 'I wish for your help to create a strong, sustainable movement to educate every child about food, inspire families to cook again and empower people everywhere to fight obesity.' Zu deutsch: 'Ich erhoffe mir Ihre Hilfe, um eine starke, dauerhafte Bewegung zu erschaffen, damit jedes Kind Unterricht in Sachen Ernährung erhält, Familien dazu bewegt werden, wieder zu kochen und Menschen überall dabei geholfen werden kann, die Fettleibigkeit zu bekämpfen.'
  • Logo_school_food_trust_eat_better_do_betterJamie Olivers Food Revolution, Get the facts, school food trust, school meals letter to academies (Dezember 2011), Jamie Oliver startet ‘Food Revolution’ in den USA, cafe-future.net, 29.3.10: 'Schulköche, die sich beim Kampf gegen das Übergewicht bei Schulkindern besonders hervor tun, bekommen den Titel ’Revolution Heroes’ verliehen.' jamie oliver foundation, Jamie Oliver - Erfolg nach Rezept, 2011
  • Erst kommt das Fressen ... - Über Essen und Kochen in der Sozialen Arbeit, 2009; enthält u.a. ein interessantes Kapitel 'Von der Ernährungskrise zur Ernährungsrevolution - Wenn der Fernsehkoch Jamie Oliver Sozialpolitik macht' s. auch google books (S. 249 ff.)

Blog einer Schülerin über englische Mensen:
Fieses Essen - Schülerin wird mit Blog zum Internetstar, Berliner Morgenpost, 2012, Schulverpflegung
Neunjährige Martha bekommt im Streit um Kantinen-Blog Hilfestellung von Jamie Oliver, der westen.de, 20.6.12

Britische Studie 'Schüler wissen wenig über Ernährung', Spiegel, 3.5.13

 

 

Vergleich

Wie ist nun vergleichsweise die Situation in Deutschland zu beurteilen?

  • Foto: fotolia.com - fotomekÜber Qualität und Umfang der Schulverpflegung liegen keine Daten vor, berichtete Frau Dr. Bölts (DGE) beim Experten-Hearing im Bundestag (2011). Allerdings gibt es alarmiernde Zahlen über den Anstieg von Übergewicht und Adipositas bei Jugendlichen (Kinder- und Jugendgesundheitssurveys des Robert-Koch-Instituts und Eskimo-Studie) sowie über Fehlernährung generell. Auch viele Erwachsene essen anders als sie sich ernähren sollten, sind also kein positives Vorbild.
  • Die existierenden Qualitätskriterien für die Schulverpflegung sind weder verbindlich noch werden sie i.d.R. kontrolliert. Entsprechend spielt in der Praxis bestenfalls das Thema Hygiene eine Rolle. Stichproben ergaben in 90% Mängel (Peinelt, 2012). Im Angebot der Schulverpflegung sind weit verbreitet: Süßigkeiten, Chips, süße Getränke, fleischbetonte (Zwischen-)mahlzeiten (wie Frikadellen- oder Schnitzelbrötchen), fettlastige Snacks wie Würstchen, Kartoffelsalat oder Schokoladenbrötchen, aber auch Absuditäten wie Yum-Yum-Tüten (unzubereitet). Wo die Lebensmittel herkommen und ob sie beim Verzehr noch ausreichend Nährstoffe enthalten, interessiert selten. Dieses Angebot passt nicht zum dem der Schule obliegenden Bildungs- und Erziehungsauftrag, es konterkariert jegliche akademische Auseinandersetzung mit Themen in Fächern wie Ernährungswissenschaft, Ökologie, Sozialwissenschaften, aber auch Ethik.
  • Oft stehen die Kosten der Schulverpflegung in der Diskussion, selbst wenn SchülerInnen/Familien alternativ für FastFood in der Regel relativ hohe Preise zahlen. Die häufig zu zahlende 19%ige Mehrwertsteuer macht das Schulessen zudem teurer als es wünschenswert wäre.

Natürlich gibt es an einigen Schulen gute zukunftsweisende Modelle und Ansätze in der Schulverpflegung. Meist haben diese Schulen ein Gesamtkonzept 'Gesunde Schule' konzipiert und versuchen es umzusetzen. Der politische Wille, die Schulverpflegung in Deutschland flächendeckend auf ein qualitativ akzeptables Niveau zu bringen, ist allerdings nur sehr gering ausgeprägt. Hier schlagen u.a. Gleichgültigkeit sowie die übliche 'Verantwortungsverflechtungsfalle' zu.


Ein 'deutscher Jamie Oliver' könnte hierzulande sicherlich viel bewirken.