SV Widerstände

Rechnen Sie auf dem Weg zu einer vernünftigen Schulverpflegung an Ihrer Schule mit Widerständen - zum Beispiel:

  • Schulträger sind nicht überall geneigt, Investitionen für Schulverpflegung zu tätigen und den Betrieb langfristig zu sichern, obwohl allein die Schulorganisation (z.B. durch immer mehr Unterrichtsstunden) Aufenthaltsmöglichkeiten und Schulverpflegung praktisch erzwingt. Teilweise werden aus Kostengründen nicht die optimalen Verpflegungssysteme realisiert. So musste beispielsweise 2010 die neue Mensa des Pascal-Gymnasiums Grevenbroich leider mit Cook&Hold starten.
  • Einige Schulen führen zwar den 'Ganztag light' formal ein, lassen ihn aber letztlich zur Mogelpackung verkommen. Es gibt Schulen "in denen die Schüler am Nachmittag nicht mehr als eine Fünf-Minuten-Terrine aus dem Automaten und eine verbogene Tischtennisplatte im Aufenthaltsraum vorfinden", s. Frankfurter Rundschau, 25.8.08
  • Foto: Fotolia.de - KeznonViele LehrerInnen fürchten um ihre kompakten Stundenpläne (max. 25 Schulstunden am Gymnasium), sie wollen evtl. ungerne weitere Aufsichten übernehmen oder sich überhaupt mit der Organisation von Schulverpflegung oder auch sonstigen Nachmittagsangeboten beschäftigen, sie trauern der guten alten Halbtagsschule nach. Bestenfalls werden sog. 'Bikinimodelle' organisiert - 'Vormittag und Nachmittag bilden hier zwei völlig verschiedene Teile ohne jegliche Verbindung. An vielen Schulen werden nachmittags Ehrenamtliche, Erzieher, Vereine, Rentner oder engagierte Eltern eingesetzt - nur keine Lehrer' (taz). Das Wohl und die Gesundheit der Kinder, lernpsychologische Aspekte stehen bei den Vermittlungs-ExpertInnen und Schul-OrganisatorInnen nicht immer an erster Stelle. Die neuen Regelungen für die Mittagsaufsichten sind in NRW noch immer unzureichend und an den Schulen schwierig zu handhaben.
  • Viele Schulen werden noch immer als Unterrichtsanstalten gehandhabt statt als Lebensräume ausgestaltet. Die Sichtweise, dass Schulen in der heutigen Gesellschaft mehr sein müssen als reine Lernanstalten, ist bei LehrerInnen, aber auch in der Elternschaft insbesondere im gymnasialen Bereich noch entwicklungsfähig. 'Ich bin für den Kopf zuständig, nicht für den Bauch', O-Ton eines Gymnasial-Rektors im Rheinland. So bleibt die Mensa natürlich ein 'Fremdkörper' an der Schule.
  • Die Verpflegung von Schulkindern wird weiterhin häufig als alleinige Aufgabe des Elternhauses angesehen. In den meisten Regionen Deutschlands wird die Berufstätigkeit beider Eltern auch im 21. Jahrhundert noch nicht wirklich akzeptiert.
  • Gerade für Familien mit mehreren Kindern wird es allein schon aufgrund der unterschiedlicher Stundenpläne (insbesondere der Rückkehrzeiten) immer schwieriger, die Hauptmahlzeit des Schul-/ bzw. Arbeitstages zu organisieren. (s. DJI) Die Auswirkungen der Veränderungen von schulischen Rahmenbedingungen wird den Familien quasi als Privatproblem überlassen. Statt schulische Lösungen zu finden und zu organisieren, legen Schulen den Familien von beispielsweise abendliches Kochen und die Einschränkung von Freizeitaktivitäten nahe.
  • Die Mitverantwortung von Schule für die Gesundheit der ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler sowie die Vermittlung entsprechender Verhaltensweisen werden häufig kleingeschrieben oder ignoriert, in den meisten Schulgesetzen nur angedeutet. Themen wie Ernährung, Verbraucherschutz, Ökologie kommen in den verpflichtenden Lehrplänen äußerst spärlich vor. Praktische Ernährungsbildung ist im Zuge der 'Wissenschaftsorientierung' beispielsweise an Gymnasien vollständig verschwunden. Auch scheint es, dass selbst hinsichtlich des theoretischen Wissens dort die 'Ernährungs-Analphabeten' in der Überzahl sind.
  • Verbreitete Unkenntnis, wie eine gelungene Schulverpflegung an weiterführenden Schulen oder in anderen EU-Ländern aussieht und welche Chancen sie in attraktiven Räumlichkeiten bietet.
  • Fehlende gesetzliche Rahmenbedingungen, die Eltern, die für ihre Kinder eine Schulverpflegung und ggf. eine längere Betreuung wünschen oder benötigen, zu Bittstellern macht.
  • Die Unterstützung bei der Einführung von Schulverpflegung seitens der Behörden (Schulministerium, Regierungspräsidien, Schulaufsicht) ist nur punktuell (in einigen Modellprojekten) gegeben, oft werden nur Hinweise auf Webseiten gegeben. Das Thema Schulverpflegung ist kein Kernthema des Schulministeriums, sondern wurde auch in NRW 2009 an eine sog. Vernetzungsstelle Schulverpflegung delegiert.
  • Barrieren und Chancen in der Schulverpflegung, s. 'Ernährungsalltag in Schulen' S. 48