Kosten

Foto: aboutpixel.deSelten sind die Kosten in der Schulverpflegung transparent. Meist dreht sich die Diskussion um den Eltern-Beitrag. Was die Schulverpflegung insgesamt wirklich kostet, wird nur in einer Vollkostenrechnung deutlich, die selten durchgeführt und noch seltener veröffentlicht wird.

Aufgrund der sog. Durchführungsverantwortung trägt der Schulträger bei der Schulverpflegung i.d.R. 'die Sachkosten für die Errichtung, also etwa für den Bau einer Mensa, die Ausstattung der Küche, das Geschirr usw. Er kommt zudem im Rahmen seines Gebäudemanagements auch für die sächlichen Betriebskosten wie Strom, Wasser,Reinigung, Versicherung, u. U. Gerätewartung' auf. Die Eltern tragen mindestens die sog. Wareneinstands-Kosten, je nach Betreiberform aber auch Steuern, den Gewinnanteil, teilweise die Investionskosten (vgl.  Handlungsspielräume für eine gesunde Schulverpflegung, W. Bödeker). Die Finanzierung von Abrechnungssystemen ist besonders strittig.

  • Die aktuelle Situation der SV anhand einer bundesweiten Struktur- und Kostenanalyse, Prof. Dr. Arens-Azevedo
    Kostenstrukturen in der Schulverpflegung, Prof. Dr. Arens-Azevedo
    Beurteilung der Kostenstrukturen, Prof. Dr. Arens-Azevedo u.a.
  • Wie viel sind uns unsere Kinder 'wert'? Eine ökonomische Analyse der Schulverpflegung, enthält Modellrechnungen für diverse Verpflegungs-Systeme (u.a. Bio), Tecklenburg/Alber, DGE, 09/09, s. Pressemappe
  • In der Studie 'Beurteilung der Kosten- und Preisstrukturen für das Bundesland Berlin unter Berücksichtigung der Qualitätsstandards in der Schulverpflegung' von Prof. Arenz-Azevedo werden 2012 folgende Kosten pro Essen genannt (Kosten für Wareneinstandskosten, die Personalkosten, die Betriebskosten und Gewinnspanne sowie die Ausstattungs- und Investitionskosten der Küchen):
    • Gymnasien: 3,97 € bis 4,25 €
    • Integrierte Sekundarschulen: 3,14 € bis 4,25 €

Prof. Dr. Koscielny, HS Fulda, kalkuliert bei einem Elternbeitrag von max. 3 € für ein Mittagessen überschlägig wie folgt (PresseMitteilung 20.09.10): "

  • Wareneinsatz: 50% der Kosten (mit dem Betrag von 1,50 € für Lebensmittel können die Preise regionaler Bauern oder gar der Einsatz von Bioprodukten kaum finanziert werden)
  • Personalkosten: 40% der Kosten (dabei darf kein/e Mitarbeiter/in über längere Zeit krankheitsbedingt ausfallen, denn eine Vertretung kann aus den Einnahmen kaum abgefedert werden)
  • Organisation: 10% der Kosten (d.h. Speiseplanung, Wareneinkauf, Personalbetreuung, Arbeitspläne, Dokumentation, Buchführung usw.)

Die Kosten für Räume, Wasser, Strom und Abfall übernimmt in der Regel der Schulträger. Würde man all dies in einer Vollkostenrechnung betrachten, müsste ein Essen in der Schulmensa ca. 6 € kosten."

Laut Prof. Dr. Peinelt, FH Niederrhein, betrugen bereits 2006 die Kosten für ein Mensa-Essen:

  • Elternbeitrag 2-3€
  • reale ermittelte Vollkostenrechnung 5-8€
  • Vollkosten in einer optimierten Variante wären 4-5€

2009 beträgt die Spanne der Elternbeiträge erfahrungsgemäß bereits ca. 2,50-3,50€, 2014 ca. 3,00-4,50€, Vollkostenrechnungen müssten entsprechend hochgerechnet werden.

  • Der Essensbeitrag lag beispielsweise
    • für ein Bio-Essen (bei Voll-Catering) am Gymnasium in Königstein 2009 zwischen 4€ (im Abo) und 4,70 €, bio-koenigstein.de
    • für konventionelles Essen an Mannheimer Schulen bei 3,60 €, bei frisch zubereitetem Essen 4,62 €, rnz.de, 16.10.09

Gutes hat seinen Preis - Kostenstrukturen in der Schulverpflegung, a'verdis 2013

Fazit einer Studie der Uni Göttingen: Der durchschnittliche Preis, der für ein Schulessen verlangt wurde (sog. Elternpreis), lag 2006 bei 2,40 €. Die Preisbereitschaft mehr für gutes Schulessen zu zahlen, müsste nach Meinung der ExpertInnen der Göttinger Uni steigen. 2009 liegt der durchschnittliche von den SchülerInnen/Eltern zu zahlende Essenspreis bei erfahrungsgemäß 3 €, Bio-Essen bei 4-4,50 €.

Warum Berlins Schulkantinen für Caterer nicht attraktiv sind, Berliner Morgenpost, 19.5.12

  • Kein Essen um jeden Preis, Tagesspiegel, 29.05.2012
    Umstellung des Schulessens läuft nicht rund, Tagesspiegel, 27.08.13
  • Sodexo und Luna gut im Geschäft, cafe-future.net 06.01.14
  • Schwierige Suche - Wenn der Essensbeitrag und die Subventionen zu niedrig kalkuliert sind, ist es schwierig, Anbieter für Schulverpflegung zu finden, Wetteraukreis 10.11.09
  • Kinderportionen für 4 Euro, Süddeutsche 15.6.10
  • Bei der Schulverpflegung regiert der Preis, Trierer Volksfreund 27.6.10


Nachdenkliches zu den Kosten von Schulverpflegung
:

  • Schulessen darf nur wenig kosten, wieso eigentlich? Ist es nichts wert? FastFood ist doch auch nicht billig!
  • Der Schulbesuch ist (i.d.R.) in Deutschland kostenfrei. Sollte dann nicht auch das Mensaessen kostenfrei sein, so wie in einigen nordischen Ländern? Ggf. zu Lasten des Kindergeldes?

zitat Wir geben mehr Geld für Haustiere und Autos aus als für das Essen unserer Kinder!' Klaus Richter, rebional (S. 9), 2013

zitat Wir Deutschen neigen dazu, das Essen nicht so wertzuschätzen. Wir schätzen eher die Technik - ein Auto oder ein großer Fernseher sind uns oft wichtiger als tägliche gesunde Mahlzeiten. Prof. Dr. Peinelt, swp 2012