| Experten beurteilten die Schulverpflegungssituation in Deutschland umfassend im Bundestag Ende November 2011. |
| In NRW ist seit Anfang 2011 die 1stündigen Mittagspause obligatorisch. Viele weiterführende Schulen haben jedoch noch immer keine entsprechende Infrastruktur für die Schulverpflegung und die Über-Mittagbetreuung, Schulträger und Schulen oft noch nicht einmal ansatzweise ein Konzept. Vielerorts wird experimentiert und improvisiert. Fehler, die bereits an anderen Schulen in der Vergangenheit gemacht wurden, könnten vermieden werden, wenn die entsprechenden Informationen verfügbar wären und Berücksichtigung fänden. Erfahrungen der offenen Ganztagsgrundschulen helfen kaum weiter, da weiterführende Schulen um ein vielfaches größer, die Schülerinnen und Schüler deutlich älter sind und mehr Unterricht haben. Während es bei den Gymnasien in NRW derzeit noch wenig Vorzeigbares gibt, haben die meisten Gesamtschulen langjährige Erfahrungen und oft hilfreiche Tipps. |
Prof. Dr. Peinelt (HS Niederrhein): "Es wäre sicher interessant, einmal der Frage nachzugehen, warum sich eine der reichsten Volkswirtschaften der Welt angeblich keine Schulverpflegung auf befriedigendem Niveau leisten kann, stattdessen die Subventionen ständig reduziert und die Kosten zunehmend auf die Eltern verlagert." ... Andere europäische Länder "sind bereit, viel Geld für die Schulverpflegung zu investieren und verstehen dies als eine wichtige Investition in die Zukunft". (S. 4)Die aktuellen wissenschaftlich fundierten Konzepte zur SV werden aus folgenden Gründen nur selten verwirklicht: • Es besteht dazu keinerlei Verpflichtung (SOLL-Thema) und • die Wertschätzung von Schulverpflegung ist gering. Schulen und Schulträger in NRW müssen lediglich über Mittag eine 'einfache Mahlzeit zum Kauf' anbieten, s. Pausenerlass (2.4). Vor allem aus Kostengründen und trotz der sehr späten Essenszeiten in Schulen wird in über 60% der Verpflegungsstellen noch immer warmgehaltenes Essen (Cook&Hold) angeboten. Selbst in ursprünglich hochwertigem Essen ist nach mehreren Stunden kein Vitamin C mehr nachweisbar (Schulessen ungenügend, WDR-Markt-Umfrage, 2010), dafür steigt die Keimzahl erheblich an. Trotz der bekannten Vorteile anderer Verpflegungssysteme wie Cook&Chill oder Cook&Freeze, bekommen sogar neue Mensen (oft aus Kostengründen) nicht die entsprechende Küchenausstattung. Dies ist beispielsweise aktuell (2010) bei der neuen Mensa des Pascal-Gymnasiums Grevenbroich der Fall, die nun leider mit Cook&Hold gestartet ist. Die Bundes- und Landes-Politik überlässt den Aufbau von Schulverpflegungs-Infrastrukturen den einzelnen Schulen und deren Schulträgern, verbindliche Vorgaben fehlen, so dass qualitativ hochwertige Schulverpflegung nach wie vor Seltenheitswert hat. Nach und nach werden zwar über die Vernetzungsstellen Beratung, Hot-Lines, Info-Material, Workshops zur Verfügung gestellt. Damit alleine sind die meisten Schulen und Schulträger jedoch zeitlich und inhaltlich überfordert. |
| Prof. Dr. Arens-Azevedo: 'Die Vernetzungsstellen sind allenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Finanzierung der Stellen ist ausgesprochen schmächtig. Die halbe Stelle, die man z.B. hier in Hamburg geschaffen hat, ist ein Witz bei inzwischen 160 Ganztagsschulen. Die zum Teil befristeten und schlecht bezahlten Stellen werden oft mit jungen, unerfahrenen Kollegen besetzt. Es bräuchte gestandene Persönlichkeiten, die kein Problem damit haben, auch mal einem Minister Bescheid zu sagen.' VDOE Round-Table-Gespräch SV, 1/2010. Zum Vergleich: Im Flächenland NRW stehen in der Vernetzungsstelle für 2100 weiterführende Schulen (davon über 600 Gymnasien) lediglich 22 Expertinnen (teilweise in Teilzeit)zur Verfügung. Die Finanzierung durch den Bund ist lediglich bis 2013 sicher gestellt. Ob mit dieser Personalausstattung, einigen Web-Seiten sowie dem Workshop- und Fachtagungsangebot mittelfristig 'eine flächendeckend ökonomisch-ökologische und gleichmäßig qualitätsgesicherte Pausen- und Mittagsverpflegung an Schulen zu erreichen' ist, bleibt fraglich. |
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